Zweiter Bericht zur Lage der dänischen Minderheit und der Minderheit der Sinti und Roma der Landeshauptstadt Kiel

Der gerade frisch herausgegebene zweite Bericht zur Situation der dänischen Minderheit und der Minderheit der Sinti und Roma in Kiel ist ein eindrucksvolles Dokument über die Chancen der Integration. Wer als Minderheit seine Kultur und seine Identität nicht nur behalten, sondern auch stärken und entwickeln will, der geht den dänischen Weg, der bedeutet, sich Seite an Seite mit der Mehrheit und den anderen Minderheit für das gemeinsame Haus zu engagieren.

Marcel Schmidt, Fraktionsvorsitzender der SSW-Ratsfraktion Kiel

Rede zum Tagesordnungspunkt 7.7„Zweiter Bericht zur Lage der dänischen Minderheit und der Minderheit der Sinti und Roma der Landeshauptstadt Kiel 2018“, Drucksache: 0367/2018 der Kieler Ratsversammlung am 19.04.2018:

– Es gilt das gesprochene Wort –

„Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

ich bedanke mich ganz herzlich bei der Verwaltung für die Erstellung dieses Berichts. Er ist für die dänische Minderheit und die Minderheit der Sinti und Roma ein wichtiges Dokument. Der Bericht gibt einen Überblick über die Situation der Minderheiten in Kiel und – das ist für mich und den SSW sehr wichtig – er enthält das klare Bekenntnis der Landeshauptstadt Kiel zu ihren autochthonen Minderheiten und zu ihrer Verantwortung für die Gleichstellung dieser Minderheiten.

Marcel Schmidt, Vorsitzender SSW-Ratsfraktion Kiel

Der Minderheitenbericht nimmt richtigerweise Bezug auf die gesetzlichen Grundlagen und Abkommen, die Aussagen zur Gleichstellung der autochthonen Minderheiten treffen und sie begründen.

Das sind zunächst die Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955, auf deren Basis die Landeshauptstadt Kiel die Einrichtungen der dänischen Minderheit als elementaren Teil des gesellschaftlichen Lebens der Stadt ansieht. Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen sind zwei separate Regierungserklärungen von Deutschland und Dänemark, in denen die Anerkennung der Minderheit im jeweiligen Staat bestätigt wird. Also die Anerkennung der dänischen Minderheit in Deutschland und die Anerkennung der deutschen Minderheit in Dänemark. In den Erklärungen werden das freie Bekenntnis zur jeweiligen Minderheit sowie die Gleichbehandlung der Minderheiten garantiert.

Weiterhin das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten und die Europäische Charta für Regional- und Minderheitensprachen. Sowie die Verankerung der Schleswig-Holsteinischen Minderheitenpolitik in der Landesverfassung.

Die aktuelle Situation der dänischen Minderheit in Kiel.

  • Die Ratsversammlung hat am 21.05.2015 (Drs. 0344/2015) beschlossen, dass sich die Stadt für die Förderung der dänischen Sprache einsetzt.
  • Der Südschleswigsche Verein in Kiel (SSF) organisiert Sprachkurse und Veranstaltungen, die jedem/jeder die Möglichkeit geben, die dänische Sprache zu lernen und Teil dänischer Kultur zu sein. Die Vereine und Institutionen der dänischen Minderheit bereichern das kulturelle Leben in Kiel deutlich.
  • Der SSW in Kiel unterstützt diese Aktivitäten ausdrücklich! Es ist unser Bestreben, uns als Minderheit in die Gesamtheit einzubringen und zu ihrer Bereicherung beizutragen. Wir verstehen das auch politisch so und stehen für eine Öffnung und ein Miteinander.  Wir haben bei unseren politischen Initiativen nicht nur die Minderheit im Blick, sondern achten auch darauf, dass diese Initiativen Vorteile für alle Kieler Bürger generieren.
  • Die dänische Kindertagesstätte in Kieler Stadtteil Pries betreut aktuell 41 Kinder im Alter von 3-6 Jahren und erhielt im Jahr 2017 eine Förderung von 20.475,00 Euro.
  • Die dänische Schule in Dänischenhagen betreute im Schuljahr 2016/2017 insgesamt 76 Schülerinnen und Schüler in 6 Klassen.
  • Der Südschleswigsche Verein (SSF) und Kultur

 

Unter den kulturellen Angeboten möchte ich besonders das Crossover Projekt in 2016 erwähnen. Dieses Projekt, welches gemeinsam von Vertretern der dänischen Minderheit in Kiel (SSW und SSF), der Festung Friedrichsort, den Freunden der Festung Friedrichsort und dem Atelierhaus Anscharpark geplant wird, holt die dänisch-deutsche Geschichte der Grenzregion für eine breite Öffentlichkeit in Kiel neu ins gemeinsame Bewusstsein und nutzt dabei historische Wissenspunkte von Friedrichsort bis Kiel-Wik.

Kultureller und festlicher Höhepunkt der dänischen Minderheit ist das dänische Jahrestreffen – Aarsmøde. Letztes Jahr fand es erstmals mit großem Erfolg in der Festung Friedrichsort statt.

Kulturspuren

Die gemeinsame Geschichte der Stadt Kiel, des Landes Schleswig-Holsteins und Dänemark sind in Kiel an vielen Orten sichtbar. Diese Orte, Gebäude und Gedenktafeln werden in Kiel als Kulturspuren Dänemark bezeichnet und können in zwei Touren zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto erkundet werden. Die Stadt stellt dafür Informationstexte und Bilder sowie Kartenmaterial zur Verfügung, es gibt sogar eine App dafür.

Einen Zugang zum dänischen Büchereiwesen stellt der dänische Bücherbus dar, der in Vernetzung mit anderen Einrichtungen des Kieler Kultur- und Bildungsbereichs als fester Bestandteil der Kieler Büchereilandschaft weiterentwickelt wird.

Die Verbindungen zu Dänemark werden durch die Stadt gepflegt und intensiviert, Beispiele sind die Zusammenarbeit und Partnerschaft mit Aarhus, aber auch die vielfältigen deutsch-dänischen INTERREG-Projekte mit Kieler Beteiligung, die einen zunehmend interessanten Blick auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Kiel und Dänemark werfen und aufzeigen, dass durch die Verbindungen zu Dänemark Arbeitsplätze geschaffen werden.

 

Wir begrüßen die Ziele der Landeshauptstadt Kiel für eine moderne Minderheitenpolitik:

  • Finanzielle Förderung zur Erreichung der Gleichstellung
  • Berücksichtigung dänischer Sprachkenntnisse bei der Personalgewinnung
  • Unterstützung der Bürger bei Anliegen, die auf Dänisch eingereicht werden
  • Schutz und Förderung der Sinti und Roma in Kiel als weitere autochthone Minderheit.

 

Unsere Wünsche für die Zukunft:

Wir werden uns für den Erwerb, die Entwicklung und die Rekonstruktion der Festung Friedrichsort einsetzen. Wir wollen, dass die Festung für die Kielerinnen und Kieler und für die Besucher der Landeshauptstadt als Zeugnis deutsch-dänischer Geschichte zugänglich und erlebbar gemacht wird.

Bisher ist es nur am Thor-Heyerdahl-Gymnasium möglich, das Fach Dänisch (als dritte Fremdsprache) bis zum Abitur zu belegen und als Prüfungsfach zu wählen. Der SSW wird sich dafür einsetzen, dass Dänisch künftig in weiteren Schulen und Stadtteilen – im Norden, auf dem Westufer und dem Ostufer – eine wichtige Rolle spielt, dass Dänisch bis zum Abschluss belegt und als Prüfungsfach gewählt werden kann.“

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